Arbeiten am Boot · 23. August 2021

Ein neues Unterwasserschiff

Aus einem rissigen Antifouling wurde ein zweijähriges Lehrstück: Schleifen, ein fehlgeschlagener Aceton-Test, Beizen in Etappen — und am Ende ein CopperCoat-Unterwasserschiff dank der Yachtwerft Fehmarn.


Nachdem Sterna in 2019 ins Winterlager kam, musste ich feststellen, dass das Antifouling großflächige Abplatzer und Risse aufwies. Das war frustrierend, hatte ich doch mir das Unterwasserschiff beim Kauf im Mai sorgfältig angesehen. Damit begann eine lange Etappe von Bootsarbeiten, die nicht vorgesehen waren — und ich zahlte mein erstes Lehrgeld.

Eine erste Inspektion ergab, dass das Antifouling entfernt und neu aufgebracht werden müsse. Ein bisschen mit dem Spachtel gekratzt und gestochert ließ große Stücke des abgelösten Antifoulings zu Boden gehen. Gut, also 2 Wochen Urlaub für das Frühjahr 2020 planen, Schleifmaschine und Sauger organisieren. Und da sowieso alles runterkommt, würde ich das neue Antifouling mit CopperCoat machen. In den Unterlagen zum Boot fand ich eine Rechnung einer Sanierung des Unterwasserschiffs basierend auf einem 2K-Material.

Dann folgten 10 Tage mühevolles Schleifen, Kratzen, Schleifen… Die Abplatzer waren zwar noch einfach zu entfernen, das waren aber nur die obersten Schichten; es folgten viele weitere mit ganz verschiedenen Eigenschaften. Eher weich-zähe, die selbst mein hochwertiges 40er Schleifpapier in wenigen Sekunden zusetzten, und extrem harte Lagen, an denen ich mich regelrecht abgearbeitet habe.

Das Antifouling ist weitgehend entfernt
Das Antifouling ist weitgehend entfernt

Die Mühe, alles restlos bis auf die Unterwassergrundierung zu entfernen, hätte ich mir ersparen können, hätte ich mich nicht bereits auf CopperCoat als Antifouling festgelegt. Denn das erfordert einen 2K-Untergrund. Und leider hatte ich es verpasst, diese Entscheidung nochmals zu überdenken.

Der Aceton-Test

Das eigentliche Problem stellte sich aber erst heraus, als ich auf die letzte Schicht, die Grundierung, stieß. Das originale Gelcoat war bei einer früheren Sanierung bereits entfernt worden. Allerdings war die neue Grundierung nicht wie erwartet aus einem 2K-Material (laut Rechnung), sondern nur ein einkomponentiger Auftrag. Glücklicherweise bekam ich den Rat, die Grundierung vorher zu testen, und so erfolgte ein „Aceton-Test”. An drei Stellen habe ich in Aceton getränkte Lappen mit Folie überdeckt an das Unterwasserschiff geklebt und 24 h einwirken lassen. Ein 2K-Untergrund würde dem standhalten, ein 1K-Untergrund sich recht schnell auflösen. Und dem war dann leider auch so…

Schon nach kurzer Zeit begann sich die erste Probenstelle aufzulösen:

Angelöste 1K-Beschichtung
Angelöste 1k Beschichtung

Nach weniger als 10 h war auch das Ergebnis der zweiten Probe eindeutig:

Sterna's einkomponentiger Untergrund
Sterna's 1 komponentiger Untergrund

Die dritte Stelle hatte sich ebenfalls aufgelöst und ließ sich recht einfach abschaben:

Alle drei Proben wurden durch das Aceton angelöst
Alle drei Proben wurden durch das Aceton angelöst

Das Fatale an der Situation: Es gab nun kein Zurück mehr, auch die Grundierung musste nun entfernt werden, und zwar sehr akkurat, denn es sollte ja ein 2K-Auftrag erfolgen, und der würde nicht mit 1K-Resten zusammen funktionieren. Abgesehen vom zeitlichen Aspekt würden nun, um ein neues Unterwasserschiff herzustellen, Kenntnisse und Fertigkeiten gefordert sein, die ich schlichtweg nicht besaß.

Und ein kleines Detailproblem hatte ich noch gar nicht gelöst: Das Boot stand im Trailer auf Stützen, die noch nacheinander abgelassen werden mussten. Leider waren diese so sehr unter Last, dass meine Hilfsstütze das Gewicht nicht aufnehmen konnte, ohne Gefahr zu laufen, den Rumpf zu beschädigen. Da mein Trailer nur über 2 Stützen pro Seite verfügt, konnte ich auch nicht sicher sein, dass die anderen drei das Boot halten würden. Bei über 4 t Gewicht macht man keine Experimente. Somit wurde nun auch noch ein Kran fällig, der mir das Boot anheben würde, um die Stützen zu korrigieren.

Beizen statt endlosem Schleifen

Da das Schleifen der Unterwassergrundierung so gar keinen Fortschritt zeigte, musste eine andere Methode her: Beizen. Eigentlich hätte ich mir das wochenlange Schleifen ersparen können, denn mit der Applikation von Beize bekam das Projekt nun seinen Fortschritt.

Sterna mit Beize beschichtet und mit Folie überzogen
Sterna mit Beize beschichtet und Folie überzogen

In mehreren Etappen wurde Sterna mit herkömmlicher Beize eingepinselt und mit Folie überzogen, um ein schnelles Austrocknen zu verhindern.

Erster Beizdurchlauf
Erster Beizdurchlauf

Dann alles mit einem Farbkratzer entfernt und komplett gewaschen. Und dann nochmals. Und nochmals. Der Kiel war super hartnäckig und erforderte einige Durchläufe.

Die Beize wird vor schnellem Austrocknen geschützt
Die Beize wird vor schnellem Austrocknen geschützt

Zwischen den Durchgängen immer wieder waschen:

Waschen zwischen den Durchgängen

Und dann konnte endlich mit einem letzten Schleifgang das Boot für die neue 2K-Epoxy-Grundierung vorbereitet werden. Hier sieht man die Backbordseite bereits weitgehend fertiggestellt. Die Steuerbordseite erhielt einen weiteren Beize-Zyklus und wurde dann ebenfalls fertig geschliffen.

Backbordseite weitgehend fertig
Steuerbordseite fertig geschliffen

Mittlerweile war es Sommer 2020 geworden. Corona-bedingt kam ich gar nicht zum Winterlager bzw. bekam keine Übernachtungsmöglichkeit auf Fehmarn, somit war diese Saison entsprechend abgeschrieben.

Die Yachtwerft Fehmarn rettet das Projekt

Auf der Suche nach einer Kranmöglichkeit stellte ich fest, dass unmittelbar neben dem Winterlager eine kleine Werft (Yachtwerft Fehmarn) ansässig war. Diese kannte ich nur von ihrer Internetpräsenz und hatte sie als vermeintliche Holzbootsbau-Werft nie weiter beachtet. Am Ende war es dann diese Werft, die mir das Unterwasserschiff-Projekt gerettet und zu einem sehr ordentlichen Abschluss gebracht hat. Die Werft hat das vorbereitete Boot übernommen, die neue Epoxy-Beschichtung ausgeführt und anschließend das CopperCoat appliziert — alles sehr ordentlich, sodass ich dann im Frühjahr 2021 die Kupferbeschichtung anschleifen und das Unterwasserschiff endgültig fertigstellen konnte.

Mangels Erfahrung habe ich eine ganze Bootshälfte gebraucht, um das beste Schleifmittel zu finden. Feste Schleifscheiben sind nicht unbedingt die beste Wahl. Am Ende habe ich dann mit einem einfachen Schleifvlies gearbeitet und per Hand das Kupfer aktiviert. Mit dem richtigen Vorgehen von Anfang an wäre diese Arbeit innerhalb eines Tages zu bewerkstelligen gewesen. #Lehrgeld.

Das CopperCoat ist angeschliffen
Das CopperCoat ist angeschliffen

Frühjahr 2021: zurück ins Wasser

Nach einer verpassten Saison kam Sterna im März 2021 zurück ins Wasser.

2021: Sterna kann wieder ins Wasser
2021: Sterna kann wieder ins Wasser

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